Marcel Pott - Nahost

Nicht Vorurteil auf Vorurteil zu setzen, ist mein Anliegen: Erst recht nicht jüdische gegen arabische, westliche gegen islamische auszuspielen. Ich plädiere für eine vorurteilsfreie Begegnung der Religionen und für eine rationale Auseinandersetzung mit der Gedankenwelt des Islam: differenziert, kritisch, frei von Überheblichkeiten.

Es geht mir um das Aufzeigen von kulturellen und politischen Zusammenhängen, aber auch um gewachsene Missverständnisse, welche die Konfliktlinien erst erklären. Insbesondere im Blick auf den Politischen Islam und den Islamismus. Denn hier spiegelt sich die soziokulturelle Krise in den arabischen Gesellschaften und das schwierige Verhältnis zwischen Orient und Okzident.

Es geht um die Verdeutlichung von strategischen Positionen und operativen Einflussnahmen in der Region durch den Westen. Und um die Reaktionen der arabisch-islamischen Seite.

Mit der Entmachtung der Taliban in Afghanistan nach dem 11. September 2001 und der planlosen Vernichtung des Saddam-Regimes im Irak, haben die USA den Iran von seinen gefährlichsten Feinden befreit und das relative Gleichgewicht der Kräfte am persischen Golf zerstört. Der Iran konnte somit zur einflussreichsten Macht von der Levante bis zum Golf aufsteigen.

Die offensive Haltung Teherans in der Atomfrage unterstreicht das neue Selbstbewusstsein der herrschenden Mullahs. Der Iran will regionale Großmacht sein, aber auch als Speerspitze in der islamischen Welt gesehen werden.

Wenn es im Nahen Osten Frieden geben soll, müssen alle die bitteren Konsequenzen aus der Geschichte ziehen. Die Araber müssen letztlich akzeptieren, dass Haifa und Jaffa für sie endgültig verloren sind. Die Israelis müssen anerkennen, dass bei Gründung des Staates Israel ein großer Teil der Araber vertrieben wurde und die Palästinenser ein Recht auf einen eigenen Staat haben.

Wenn die politische Klasse in Israel darauf beharren sollte, dass die Sicherheit des Staates nur auf Kosten des Selbstbestimmungsrechtes der Palästinenser herzustellen sei, ist Frieden ausgeschlossen. In diesem Fall wird es unmöglich, bleibende Stabilität im Nahen Osten herzustellen.

 

 

 

Ihr Marcel Pott